Ein oft geäußertes Bedenken gegen die intensive Nutzung von interaktiven Funktionen im Intranet ist die ‚Vereinsamung’ des Mitarbeiters vor seinem Bildschirm. Statt den persönlichen Austausch mit Kollegen zu suchen, werde nur noch in Feeds, Chats und Blogs kommuniziert. Die Ideenfindung in Meetings komme zu kurz und eigentlich kenne man seine Kollegen gar nicht mehr. „Redet doch einfach mal mehr direkt miteinander“.In diesen Argumenten steckt natürlich ein Funke Wahrheit. Wird doch gerade in der persönlichen Begegnung erst Vertrauen aufgebaut und Wissen wirklich übertragen.

Allerdings stellen wir in unseren Projekten genau das Gegenteil von Vereinsamung fest. Hier 3 wesentliche Effekte, die wir bei der Nutzung von sozialen und interaktiven Funktionen beobachten können:

GemeinsamEinsam

Digitale Nähe führt zu mehr persönlicher Abstimmung

Durch die digitale Vernetzung berichten Mitarbeiter von einer gefühlt stärkeren Nähe zu Ihren Kollegen. Man ist informiert, wer woran arbeitet, wo sich die Personen gerade aufhalten (auf Messen, auf Dienstreisen, auf Tagungen oder internen Veranstaltungen). Dadurch steigt die Neugier auf weiterführende Informationen und es sinken Barrieren, die betreffenden Personen zu kontaktieren. Dieser Kontakt kann dann entweder über Telefon, Chat oder e-Mail stattfinden und wird nicht als Ersatz für persönliche Treffen bewertet. Vielmehr, so berichten die befragten Mitarbeiter, initiieren und beschleunigen solche digitalen Vorgespräche persönliche Treffen, so dass eher eine Zunahme der persönlichen Abstimmung empfunden wird.

Meetings starten auf einem höheren Informationsstand

Nutzer abonnieren in sozialen Intranets sowohl die Aktivitäten von Kollegen, als auch Arbeitsthemen wie Kunden, Produkte, Fachthemen oder Handbücher. Wir beobachten, daß der Informationsstand der Mitarbeiter dabei qualitativ steigt und in Besprechungen die typische Phase‚ alle auf den aktuellen Stand zu bringen’ deutlich kürzer ausfällt. Die Teilnehmer verfügen schon über die nötigen Grundlagen oder tauschen sich schneller aus, wo welche Basisinformationen zu finden sind. Dadurch wird in Meetings sehr viel schneller produktiv gearbeitet und oft auch schneller ein Ergebnis produziert. Uns wird oft als Feedback gegeben, dass dadurch der gefühlte Leerlauf in Workshops oder bei Projekttreffen drastisch reduziert wird und man wieder gerne zu solchen Besprechungen geht.

Der digitale Flurfunk ist kürzer

Soziale Plattformen leben auch von der Diskussion persönlicher und arbeitsbezogener Themen, Sorgen und Fragen. Doch statt sich mit seinen Kollegen in der Kaffeeküche oder Raucherecke nacheinander über den Tag verteilt auszutauschen, werden diese Anliegen in Feeds oder Communities sehr viel schneller abgehandelt. Das Urlaubsfoto ist schnell gepostet und wird von den Kollegen geliked, die Frage zur neuen Kaffeesorte ist rasch abgehandelt und die aktuellen Staumeldungen bei der An- oder Abfahrt können mit allen Kollegen viel effektiver geteilt werden. In drei Unternehmen wurde nach Einführung eines sozialen Intranets der Effekt beobachtet, daß der typische Flurfunk und Kaffeeküchenklatsch abnimmt und man sich stattdessen in diesen Pausenzeiten in der Tat mehr zu Arbeitsthemen austauscht.

Die hier geschilderten Einsichten mögen sehr von der Unternehmenskultur und auch der aktuellen Situation der Belegschaft in den jeweiligen Organisationen abhängig sein. Allerdings verdichten sich die Hinweise darauf, dass man mit interaktiven Intranets eher nicht vereinsamt, sondern viel dichter an seinen Themen und Kollegen ist.

Also: Social Intranet – nicht gemeinsam einsam, sondern digital viel näher!