Unternehmen agieren immer globaler. Die Folge: Eine einheitliche Plattform, die Mitarbeiter auf der ganzen Welt mit relevanten Informationen versorgt und den standortübergreifenden Dialog fördert wird zu einer der Hauptanforderungen in der internen Kommunikation von Unternehmen.

Wie Mitarbeiter Informationen im Intranet wahrnehmen und strukturieren hängt dabei aber nicht nur von ihren persönlichen Vorlieben, sondern auch maßgeblich von ihrer Sprache und Kultur ab. Wo beispielsweise asiatische Nutzer besonders viel Wert auf Bebilderungen und Animationen legen, ist für Europäer eine eher sachliche und strukturierte Präsentation der Inhalte wichtiger.

Das heißt natürlich nicht, dass ein neues Intranet nun an allen Enden und Ecken blinkende Animationen hervorbringen soll. Dennoch sollten einige Aspekte beim internationalen Rollout beachtet werden, um eine breite Akzeptanz für die neue Plattform zu gewährleisten.

Content ist king…

Anders als öffentliche Internetauftritte richtet sich ein Intranet immer an die eigenen Mitarbeiter im Unternehmen. Die Inhalte dienen daher weniger einem werblichen Zweck, sondern stellen vielmehr ein Mittel zur Bewältigung der täglichen Arbeitsaufgaben dar. Umso wichtiger ist es, dass Inhalte schnell und unkompliziert gefunden werden.

Genau hierbei hilft die Taxonomie. Gemeint ist damit die Einordnung von Inhalten in bestimmte Kategorien oder Klassen. Wichtig ist es daher, für jede Sprache eine vollständige Taxonomie zu entwickeln, die ihre semantischen Besonderheiten berücksichtigt. Speziell auch im Hinblick das Search-Centric-Design ist eine gut funktionierende Taxonomie unerlässlich. Denn beim Search-Centric-Design steht nicht länger die Navigation, sondern die Suche im Mittelpunkt der Plattformnutzung.

Und auch im Hinblick auf die Leserichtung im Intranet gibt es einiges zu beachten:
Während sich China, Japan und Korea bei der Nutzung von Onlinemedien bereits an die westliche Leserichtung angepasst haben, wird die Struktur einer Seite in arabischen Ländern maßgeblich von der Sprache beeinflusst und Inhalte werden von rechts nach links gelesen. Das wirkt sich nicht nur auf Texte, sondern u. a. auch auf Tabellen, Grafiken und Prozessbeschreibungen aus. Auch Schriftzeichen und -länge der jeweiligen Sprache verhalten sich oft unterschiedlich zu den vorgegebenen Fonts und Abständen und müssen individuell geprüft werden.

Um die Lücke zwischen den lokalen Anforderungen an Sprache und Inhalt zu schließen, etablieren sich häufig lokale Intranets, die oft losgelöst von anderen Standorten existieren. Das aufgebaute Wissen wird isoliert und ein Zugriff darauf oder ein Dialog darüber kann meist nicht stattfinden. Um die Sprachbarriere im Unternehmen zu überwinden, müssen Inhalte auch in den jeweiligen Landessprachen angeboten werden. Nicht alle Systeme kommen jedoch mit den Ausprägungen der Mehrsprachigkeit gleich gut zurecht. Eine klare Definition der Anforderungen an die Mehrsprachigkeit ist daher entscheidend für die Auswahl des Systems.

…but context is queen

Damit das visuelle Design eines Intranets internationalen Anforderungen gerecht wird, gibt es zwei Herangehensweisen: Entweder wird für jeden Standort ein eigenständiges Intranet oder ein unternehmensweites Design mit lokalen Anpassungen entwickelt. Ersteres erfordert einen hohen Aufwand, bietet aber auch die Möglichkeit eine speziell für die Zielgruppe relevante Plattform zu erstellen. Die zweite Lösung erfordert weniger Aufwand, da Anpassungen lediglich den Content und die Sprache betreffen. Diese setzt jedoch auch voraus, dass das Design und die Farben auf das Wesentliche reduziert werden und weniger komplex erscheinen.

Besonders Farben können beim Nutzer verschiedene Emotionen hervorrufen. Die Evolution gibt ein Verständnis von Farben vor, das wiederum stark durch Kulturen beeinflusst wird. Jedoch sollte die Wirkung auch nicht überbewertet werden. In Japan symbolisiert die Farbe Weiß beispielweise den Tod, dennoch haben zahlreiche Webseiten in Japan einen weißen Hintergrund. Es lohnt sich häufig das geplante Design durch eine Testgruppe zu prüfen, um spätere Fauxpas zu vermeiden.

Um die Kommunikation im Intranet zu vereinfachen eignen sich Symbole bzw. Icons, die bspw. als Links zu Drittanwendungen oder zur Darstellung von Prozessen herangezogen werden. Gerade im internationalen Kontext können Icons hilfreich sein, um Informationen unabhängig von der jeweiligen Sprache zu kommunizieren. Während auf das vorgegebene User Interface des Systems häufig kein Einfluss genommen werden kann, lohnt es sich Bilder und Icons im Content eindeutig, sparsam und vor allem an der richtigen Stelle zu verwenden.

Entscheidend bei dem Einsatz von visuellen Elementen (Farben, Symbole etc.) ist also auch immer der Kontext in dem sie verwendet werden.

Fazit

Wer sich einmal in den Dschungel der Anforderungen an internationale Webdesigns verirrt hat, wird feststellen, dass längst nicht alle lokalen Gegebenheiten für das eigene Intranet berücksichtigt werden können. Müssen sie aber vielleicht auch gar nicht. Nutzer sollten nicht in eine Schublade gesteckt werden, nur weil sie einem bestimmten Kulturkreis angehören. Bei all den Unterschieden, die es zwischen verschiedenen Ländern gibt, gilt es auch die Gemeinsamkeiten und die daraus resultierenden Synergien zu entdecken. Entscheidend bei der Realisierung eines Social Intranets im internationalen Kontext ist es, sich im Unternehmen umzuhören und die Anforderungen der Mitarbeiter genau aufzunehmen. Erst dann können Erfahrungswerte und Best Practices herangezogen und auf die neue Plattform angewendet werden.

Quellen:

http://semanticstudios.com/international_information_architecture/

http://blog.usabilla.com/culture-impact-ux-design/

https://webdesign.tutsplus.com/articl­es/6-tips-to-bring-internationalism-to-your-web-design–webdesign-2084

https://www.nngroup.com/articles/bad-icons/