Facebook testet momentan eine Plattform, die demnächst den Markt der Enterprise Social Networks um ein Angebot erweitern wird. Noch fehlen Informationen zu Einzelheiten der neuen Plattform. Dennoch wagen wir einen Ausblick. Wie steht es um die Chancen von Facebooks Ambitionen?

Was ist „Facebook at work“?

Die Plattform unterscheidet sich wahrscheinlich zunächst nur unwesentlich vom normalen Facebook: „With a Facebook at Work account, you can use Facebook tools to interact with co-workers.“ Der größte Unterschied ist, dass das private und das berufliche Facebook streng voneinander getrennt werden. Bezeichnend ist, wie viel Wert Facebook auf diesen Aspekt bei der Erklärung der neuen Plattform legt, weshalb ich im Fazit darauf zurückkommen werde.

Ein ziemlich dicker Mitspieler

Facebook ist nicht irgend ein kleines Softwarehaus, welches sich im Social Business festsetzen will, sondern konkurriert sofort mit den bisherigen großen Marktanbietern der Branche Microsoft-SharePoint, IBM Connections, JIVE und SAP Jam, weshalb jeder Schritt von Facebook kritisch beäugt wird. Zwei Gründe stechen bei Facebook heraus.

Facebook investiert sehr aggressiv

In der letzten Zeit hat es Facebook geschafft, profitabel zu werden. Der Gewinn lag 2014 bei ca. 3 Milliarden USD. Es gab einige Zukäufe (z.B. Whatsapp), durch die Facebook seinen Status sichern will. Je nach interner Priorisierung ist es nicht ausgeschlossen, dass Facebook auch aggressiv auf neue Märkte vordringt, die dem bisherigen Markt der Social Media Networks ähneln. Social Business ist prädestiniert dafür. Aufgrund der Größe und den Erfahrungen der Firma kann Facebook im Gegensatz zu kleineren Konkurrenten die neue Plattform viel schneller ausbauen und besser in den Markt drücken. Ein neues Preissystem ist sogar denkbar. Bisher werden Enterprise Social Networks häufig über Lizenzen abgerechnet. Bei Facebook ist die Bezahlung über die Zulassung von Werbung oder dem Hinzukaufen von Komponenten denkbar.

Bekanntheit von Facebook

Die Etablierung im neuen Markt ist auch leichter, aufgrund der Bekanntheit von Facebook. Allein die Ankündigung von „Facebook at work“ rückt Social Business immer mehr ins Bewusstsein der allgemeinen Bevölkerung. Facebook erzeugt Resonanz, die dazu führen könnte, dass Facebook keine Konkurrenten verdrängt, sondern den gesamten „Social Business Kuchen“ schneller wachsen lässt.

„Facebook at work“ steht noch am Anfang

Trotz seiner Größe muss Facebook noch einige Hürden meistern, um ein ernsthafter Konkurrent im Bereich der Social Business Software zu werden. Microsoft musste 2014 lernen, wie wichtig es speziell deutschen Firmen ist, wenn es um Daten und Informationssicherheit geht. Auch Facebook nahm in diesem Bereich bisher keine Vorreiterrolle ein.

Bedienbarkeit von Facebook

Die Bedienbarkeit von Facebook wird immer wieder gelobt, was ich jedoch anzweifle. Facebook hat es geschafft über die Jahre immer mehr Komponenten der Plattform hinzuzufügen und diese den Nutzern schmackhaft zu machen.

In fact, Facebook’s own popularity could be Facebook at Work’s biggest advantage. A lot of efforts in offices to get employees to collaborate more with each other have been stymied because employees don’t want to use the software. It’s yet another new thing to learn and doesn’t feel essential.

Das Hinzuschalten neuer Komponenten lies Facebook zu einer ziemlich komplizierte Plattform werden, auch wenn dies langjährige Nutzer kaum merkten. Für Jugendliche ist Facebook beispielsweise nicht mehr sonderlich attraktiv, da sie den Lernprozess der älteren Nutzer nicht durchlaufen haben. Auf den ersten Blick ist ihnen Facebook schlicht zu komplex, weshalb sie teilweise auf Whatsapp, Instagram oder Snapchat ausweichen. Selbst bei längerer Nutzung von Facebook ist nicht sicher, dass Anwender jemals in die Tiefen der Plattform abtauchten. Oft ist nicht bekannt, wie man Gruppen anlegt, die Privatsphäreneinstellungen ändert oder warum welche Beiträge in der Timeline von Facebook angezeigt werden.

Facebook kann Social aber nicht unbedingt Business

Facebook wird sich im Social Business mittelfristig mit den genannten „Riesen der Branche“ messen. Es kommt aus dem Bereich Social Media. Dies wird „Facebook at work“ gut beherrschen. Zusätzlich ist die Bedienung vielen Mitarbeiter auf den ersten Blick aus ihrem privaten Umfeld bekannt. Dies ist das Alleinstellungsmerkmal der Plattform. Unsicher ist jedoch, wie schnell Facebook auch sichtbaren, relevanten Mehrwert für ein Unternehmen bringt.

„Facebook at work“ ist zunächst erst einmal nichts weiter als eine Social Collaboration Plattform die sich langsam zur Intranet Suite entwickelt, wie es Interact oder Bitrix sind: „Wie auch bei allen anderen Büro-Tools soll bei Facebook at Work die gesamte Büro-Kommunikation gebündelt werden, so dass Mails und Skype-Nachrichten entfallen. Außerdem verspricht man ein effizienteres Arbeiten, vor allem wenn es um die Planung und Durchführung von Projekten oder Meetings geht.“ Genau dies ist Entscheidern in Unternehmen schwer vermittelbar. Facebook wird Probleme haben zu veranschaulichen, dass im „Facebook at work“ nicht nur „gequatscht“ wird. Dies ist Facebook scheinbar bewusst, weshalb sie schon jetzt beide Plattformen klar voneinander abgrenzen. Was Facebook am Anfang anbieten wird ist jedoch nur ein kleiner Teil von dem was die Branchenprimi abdecken. Wahrscheinlich wird „Facebook at work“ zunächst keine Möglichkeiten der passiven Personalisierung anbieten, wodurch Mitarbeiter viele irrelevante Informationen erhalten. Auch das Abbilden von Prozessen, dem Aufbau von Workflows oder der Anpassung der Plattform auf spezifische Unternehmensbedürfnisse wird nicht möglich sein.

Aus diesen Gründen kann „Facebook at work“ momentan kein „all in one portal“ und damit auch kein Branchenprimus im Social Business sein. Der Fokus liegt bisher klar auf Social. Facebook hat jedoch das Potenzial in wenigen Jahren durch die Integration von Business aufzuschließen.