Und warum digitalisieren Sie?

Der Bitkom-Präsident Achim Berg konstatiert: „Digitalisierung ist kein Problem, das es zu lösen gilt. Digitalisierung ist ein dauerhafter Prozess und vor allem ist sie der Schlüssel, um die großen Herausforderungen unserer Zeit zu meistern.“ Blicken wir in die Wirtschaft, so dürfte Berg bei seiner Äußerung unter anderem an folgende Herausforderungen gedacht haben:

  •  Sicherung von Fortbestand und Wachstum in einem sich verschärfenden Wettbewerb
  • Implementierung und Etablierung hybrider Kollaborationsstrukturen
  • Nachhaltigkeit und Klimaschutz
  • Erschließung neuer Potenziale wie Big Data, künstliche Intelligenz, Internet der Dinge
  • Komplexe Prozesstransformationen rund um digitale Arbeitsplätze

Jeder Aspekt für sich verheißt Anstrengung, bedeutet Abschied von lieb gewonnenen Routinen, verlangt nicht nur Anpassungen im Verhalten sondern auch Veränderungsbereitschaft bei etablierten Haltungen und Einstellungen. So etwas mögen die wenigsten. Deshalb reagieren wir Menschen zunächst im Modus der Substitution, wann immer eine neue Kulturtechnik – wie aktuell cloudbasierte Anwendungen – in unseren Alltag einbricht. Das bedeutet: Wir versuchen bereits Bewährtes und Bekanntes so umfassend wie möglich in eine neue Kulturtechnik zu integrieren: Die ersten Automobile kamen wie Kutschen ohne Pferde daher. Frühe Chats erschienen wie verkürzte E-Mails, die ihrerseits versuchten einen Brief nachzuahmen.

Früher oder später erkennen wir aber bei der Verbreitung jeder innovativen Kulturtechnik , dass eine rein substitutive Einlassung niemals genügt, um deren innovative Potenziale zu erschließen. Neben prozeduralen und strukturellen Anpassungen sind überindividuelle Handlungs- und Haltungsänderungen erforderlich, damit eine neue Kulturtechnik zum Element der eigenen Kultur reift. Dies erfolgt nicht beiläufig, zufällig oder willkürlich und lässt sich aktuell im Guten wie im Schlechten bei der Einführung und Weiterentwicklung digitaler Arbeitsplätze studieren.

Wir brauchen gemeinsame Absichten und Ziele, um erfolgreich zu digitalisieren

Digitale Transformation ist ein dauerhafter Prozess, befand Achim Berg eingangs. Hinzu gesellt sich der Befund, dass dieser Prozess immer dann erfolgreich verläuft, wenn er ganzheitlich, systematisch und nachhaltig angelegt ist. Tools, Governance und Datenschutz sind wichtige Parameter dabei. Aber das transformative Hauptaugenmerk primär darauf zu richten, läuft auf eine riskante Engführung der Digitalisierung hinaus. Denn die Gefahr ist groß, eine fundamental wichtige Frage links liegen zu lassen: Mit welchem Ziel und welchen Absichten wollen wir in unserer Gesellschaft, in unserer Organisation, in unserem Team digitalisieren? Warum eigentlich soll ich digitalisieren und weshalb auf diese und keine andere Weise?

Machen wir diesen Aspekt konkret: Es ist weniger eine Frage des Tools, ob Mitglieder eines hybrid arbeitenden Teams stimmig am digitalen Arbeitsplatz kollaborieren, Wissen bedarfsgerecht teilen, effektiv kommunizieren und gemeinsam Werte des Teams und der Organisation leben. Zunächst ist zu fragen, was das Mindset der Menschen kennzeichnet, die jetzt und zukünftig am digitalen Arbeitsplatz für ihr Team, ihre Organisation und ihr persönliches Wohl erfolgreich zusammenarbeiten. Oder direkter formuliert: Was sind unsere gemeinsamen Ziele und wie werden wir diese am digitalen Arbeitsplatz zu unser aller Zufriedenheit funktional, effizient und effektiv erreichen?

Zwar muss jede Organisation ihre eigenen Antworten auf diese Fragen finden. Allerdings kristallisieren sich auch immer wieder Basiselemente überzeugender Antworten heraus. Organisationen, deren Mitglieder am digitalen Arbeitsplatz mit all seinen Freiheiten und Potenzialen erfolgreich kollaborieren, ähneln sich in folgenden Dimensionen:

  • Horizontal und vertikal dominiert ein reflektiertes Vertrauen in die eigene Wirksamkeit im Umgang mit digitalen Tools. Dieses Vertrauen wurde und wird durch usecase-orientierte Qualifizierungen, kommunikative Maßnahmen sowie ein vitales Community Building gefördert.
  • In allen Organisationsbereichen wirkt ein an der Praxis orientierter Common sense über die Anwendung und Abgrenzung der zu nutzenden Tools. Bereichsübergreifende Kooperation ist unvereinbar mit Extrawürsten in der Tool-Landschaft. Dieser Aspekt schließt ausdrücklich Spezial-Tools für Spezialanwendungsfälle aus. Zugleich schließt er den Gedanken ein, dass analog wie digital gilt: Verbindlichkeit schafft Orientierung und weniger ist meistens mehr.
  • Organisationen mit überzeugenden Digitalisierungsprozessen eint, dass sich Führungskräfte auf allen Ebenen als wesentliche Treiber der digitalen Transformation begreifen. Sie erzeugen für ihr Team Transparenz, geben Orientierung und platzieren Feedback an den richtigen Stellen, um den Digitalisierungsprozess zu einem Erfolg für alle zu machen.
  • Transformation ist ohne Fehler und Rückschläge nicht zu haben. Fehler als Lerngelegenheiten zu erkennen und zu nutzen, ist kein banales Geschäft. Eine von Angstfreiheit durchdrungene Balance aus Kreativität, Offenheit und Lernkultur liefert langfristig immer die entscheidenden Impulse, um gemeinsam mit Zuversicht und Einfallsreichtum an den nächsten Kapiteln der digitalen Transformation zu schreiben.

Wir wollen es für den Moment bei diesen vier Punkten belassen. Jeder dieser Punkte steuert eine Teilantwort auf die Frage bei, warum Sie, Ihre Kolleginnen und Kollegen im Großen wie im Kleinen digitalisieren. Längst haben Sie durchschaut, dass diese Teilantworten auf das Warum der Digitalisierung selbst einen dauerhaften Prozess ergeben. Nutzen Sie diese Chance, um über die Digitalisierung hinaus Zusammenarbeit und Zukunft positiv zu gestalten. Denn zur Wahrheit gehört auch: Wer nicht gestaltet, wird gestaltet.