Employee Engagement durch digitale Interaktion

Bindung und Commitment, eine kooperative Einstellung oder auch die Fähigkeit von Mitarbeitenden und Führungskräften, konstruktives Feedback zu geben und anzunehmen: Employee Engagement hat zahlreiche Facetten. Nicht zuletzt durch hybride Arbeitsmodelle und verteilte Zusammenarbeit gewinnt das Thema immer mehr an Bedeutung für Kommunikationsmanagerinnen und -manager. Interne digitale Plattformen können dabei als Katalysator des Wandels wirken.

Hier ein Szenario: Man stelle sich einen mittelständischen Maschinenbauer vor, der signifikant höhere Arbeitsunfälle und damit verbundene Ausfallzeiten zu verzeichnen hat. Die Geschäftsleitung möchte die Aufmerksamkeit für den betrieblichen Arbeits- und Unfallschutz standortübergreifend erhöhen. Im ersten Schritt wird dazu eine klassische Awareness-Kampagne (Push-Kommunikation) ins Leben gerufen, u. a. inkl. Poster, Videos mit Mitarbeiter-Statements sowie Guerilla-Marketing an stark frequentierten Touchpoints wie der Kantine, dem Waschraum oder im Aufzug. Darüber hinaus wird das Social Intranet der Organisation (Pull-Kommunikation) als wichtiger Feedback-Kanal genutzt, um gemeinsam mit den Mitarbeitenden zu ergründen, was zum Schlüsselthema verbessert werden kann:

  • Blitzumfragen und One-Click-Votings. „Wissen Sie, wo Sie die aktuellen Sicherheitsrichtlinien finden?“, „Haben Sie in den vergangenen zwölf Monaten an einer Sicherheitsunterweisung teilgenommen?“. Durch solche scheinbar banalen Fragen konnte rasch und niedrigschwellig ein Überblick über den Status Quo des Wissensstands bei der Belegschaft eingeholt werden – ohne „Fingerpointing“ auf einzelne Teams, Führungskräfte o. Ä., aber mit erstem konkreten Fingerzeig, welche Informationsbedarfe es künftig noch stärker in den Fokus zu rücken gilt.
  • Hashtag-Kampagne. Etablierung des Schlagworts „#zeroaccidents“, mit dem alle redaktionellen sowie nutzergenerierten Beiträge zum Thema im Social Intranet gekennzeichnet sind. Dies erhöht die Sicht- und Wiederauffindbarkeit bei allen Intranet-Nutzerinnen und -Nutzern und hilft durch konsequente Verwendung des Hashtags bei der Bildung eines Wissenspools.
  • Community Building & Bilderwettbewerb. Wo lauern Stolperfallen, die sich schnell und pragmatisch beseitigen lassen? Was kann für ein Mehr an Sicherheit und Beachtung der Regularien verbessert werden – in der Werkshalle genauso wie in Büros? Alle Mitarbeitenden sind dazu aufgerufen, typische Szenen bzw. Best- & Worst-Practices im Bild einzufangen, in einer Community zu posten, ihre Erfahrungen zu teilen und durch Kommentare Ideen zur Optimierung zu sammeln.

Das Ergebnis: Das Thema Arbeits- und Unfallschutz erhält deutlich mehr Aufmerksamkeit – zu sehen an den gesteigerten Klick- und Beteiligungsraten im Social Intranet sowie zu hören im Flurfunk (z. B. beim Plausch in der Kaffeeküche oder beim Mittagessen). Die Einreichungen beim jährlichen „Health & Safety-Award“ des Unternehmens sind spürbar gesteigert, die sogenannten „Lost Man Days“ innerhalb von zwei Jahren in zweistelliger Prozentzahl gesenkt.

Die Erfolgsfaktoren:

  • Hohe Reichweite durch mobilen Zugriff. Keine „Zweiklassen-Gesellschaft“ in der Belegschaft zwischen Mitarbeitenden mit und ohne PC-Arbeitsplatz. Auch Frontline-Worker haben über ihr privates Endgerät mobilen Zugriff auf das Social Intranet.
  • Konsequentes Sponsorship durch die Geschäftsleitung. Das Top-Management kommunizierte mehrfach sicht- und hörbar, wie wichtig ihm das Thema Senkung der Unfallzahlen ist. Gerade auch in Richtung der Führungskräfte wurde betont, dass z. B. das Festhalten der Stolperfallen im Bild gerade nicht zu Sanktionen führen soll („Giftlisten“), sondern durch Schwarmintelligenz mutmachende Positivbeispiele identifiziert werden sollten.
  • Mut zu kulturellem Wandel. Das Verbot zur Smartphone-Nutzung während der Arbeitszeit sowie das Fotografie-Verbot in der Werkshalle – diese Punkte wurden im Zuge der Safety-Kampagne im Intranet im Unternehmen aufgehoben. Nutzungsbedingungen, konkrete Guidelines mit Do’s & Dont’s zu diesen nach wie vor sensiblen Themen traten an ihre Stelle und verhinderten wirksam „Wildwuchs“ und beugten Missverständnissen vor.

Mit überschaubarem Einsatz von zusätzlichem Budget, Kapazitäten und Ressourcen können Unternehmen durch digitale Interaktion ihre internen Kampagnen und Initiativen in ihrer Wirkung kraftvoll verstärken. So wird Employee Engagement vom Buzzword zum greifbaren Werttreiber.