Führungskräfte werden zu Community Managern

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Führungskräfte werden zu Community Managern

Intranet Interview mit Nadine Steinhübel

Nadine Steinhübel – Digital Marketing Manager (Bild: Xing)

Nadine Steinhübel befasst sich seit 2011 mit der Digitalisierung von Unternehmensprozessen. Im Fokus ihrer Tätigkeit steht einerseits die Digitalisierung der externen Unternehmenskommunikation und andererseits die digitale Transformation der internen Kommunikation – Stichwort Social Collaboration und Social Adoption. Des Weiteren hat sie Erfahrungen als Trainerin sowie als Kommunikations- und Marketingexpertin gesammelt.


Interview mit Nadine Steinhübel – Digital Marketing Manager bei der NORDSEE Holding GmbH

1.) Wie sieht deiner Meinung nach der Status Quo des Social Intranets aus? 

Trotz der Tatsache, dass die interne Verwendung von Social-Media-Tools bei vielen großen und mittelständischen Unternehmen bereits auf der Agenda steht, wird es meiner Meinung nach noch einige Jahre dauern, bis diese Tools auch erfolgreich in den Arbeitsalltag integriert sein werden. Dies liegt zum einen daran, dass einige Mitarbeiter nach wie vor Ressentiments gegenüber diesen Tools haben. Oftmals herrscht hier noch folgende Meinung vor: „Ich bin doch auch nicht auf Facebook, wieso sollte ich dann im Unternehmenskontext etwas ‚posten’ oder gar Teil einer Community werden?“.

Des Weiteren befürchten viele, dass ihr Handeln allzu transparent würde und gar Persönlichkeitsrechte beeinträchtigt würden. Zum anderen ist es leider oftmals so, dass die internen Social-Media-Tools mit der Usability des externen Marktes nicht mithalten können. Man kann sich nicht vorstellen, wie oft ich in den letzten Jahren die Frage zu hören bekommen habe, warum dies oder jenes nicht so einfach wie beispielsweise bei Instagram funktioniere. Auch ich musste erst lernen, wie viel IT-Leistung hinter der kontinuierlichen Verbesserung der großen Player wie Facebook, YouTube und Co. steckt.

2.) Was kann die interne Kommunikation von der externen Social Communication lernen?

Zum einen schlicht und einfach das „Zuhören“ (Social Listening). Dank Social-Media-Tools laufen Kommunikationsprozesse viel transparenter ab. Dadurch hat das Marketing zum Beispiel die Möglichkeit, sich Feedback direkt von den Kunden zu holen, diese gar in den Produktentstehungsprozess zu involvieren (Stichwort Crowd Sourcing). Die gleichen Mechanismen gelten auch intern. Durch die Sozialisation des Intranets haben Führungskräfte und Projektmanager die Möglichkeit, viel mehr über die alltäglichen Arbeitsprozesse und Wünsche der Mitarbeiter zu erfahren. Daher ist oftmals die Rede davon, dass sowohl Führungskräfte als auch Projektmanager zu Community Managern werden. Der Fokus in einer vernetzten Organisation liegt auf Enabling (Befähigung) der Mitarbeiter und nicht auf Controlling. Zum anderen ermöglichen Communitys Threads und Chat Speed sowie Agilität – und wer träumt nicht von interner Effizienzsteigerung?

3.) Was glaubst Du, wie sich Intranets zukünftig entwickeln werden? Bleibt uns die klassische Top-Down-Kommunikation erhalten, geht es eher in Richtung interaktives Intranet oder wird es auch weiterhin eine Kombination geben?

Ich persönlich kann mir nicht vorstellen, dass das klassische Top-Down-Intranet, in dem wenige Auserwählte etwas publizieren dürfen, dauerhaft zeitgemäß sein wird. Ich denke, der Trend geht klar zum Social Intranet, in dem viele Mitarbeiter Inhalte selbstbestimmt und selbstorganisieret einstellen dürfen. Auch heute gibt es bereits einige Unternehmen wie zum Beispiel die Robert Bosch GmbH oder Axel Springer, die auf die Kraft von Social Business in Form von IBM Connections oder SharePoint setzen – Tendenz steigend.

Der positive Trend lässt sich, meiner Meinung nach, jedoch nur fortsetzen, wenn die Einführung eines Social Intranets auch durch Change-Management-Maßnahmen begleitet wird. Hierbei spielt insbesondere das Stichwort Unternehmenskultur beziehungsweise Fehlerkultur eine wichtige Rolle: Das Social Intranet hat nur dann eine Chance, wenn Fehler oder Unvollständigkeiten nicht als Makel, sondern als Chance angesehen werden – sprich, wenn Ergebnisse und Inhalte iterativ und kollaborativ weiterentwickelt werden. Das klassische Top-Down-Intranet ist, aus meiner Sicht, ungeeignet für Social Collaboration, aber nach wie vor wichtig für die Bereitstellung von statischen Unternehmensinformationen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Quelle Beitragsbild: https://pixabay.com/de/netzwerk-hand-schreiben-knotenpunkt-441682/

By |2019-02-07T08:24:55+00:00Oktober 13th, 2015|Categories: Blog, Interview|Tags: |0 Comments

About the Author:

Andreas Schulze-Kopp arbeitet als Social Intranet Berater bei der inhabergeführten Agentur HIRSCHTEC mit Hauptsitz in Hamburg.

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