Johannes Lenz, AKOM360 GmbH

Johannes Lenz, AKOM360 GmbH (Bild: Xing)

Im zweiten Teil unserer Interview-Reihe zum Thema Social Media in der Unternehmenskommunikation steht uns Johannes Lenz, Corporate Blogger bei der zur Starcom MediaVest Group gehörenden AKOM360 GmbH, für einige Fragen zur Verfügung. Welche Erfahrungen hat man intern gemacht und welche Entwicklungen in Sachen Unternehmenskommunikation beobachtet man in deutschen Unternehmen?

Seien Sie gespannt auf interessante Einblicke in die interne Agentur-Kommunikation.


 

Interview mit Johannes Lenz – Corporate Blogger bei AKOM360

1.) In externen Social-Media-Kanälen hört man viel über Euer Unternehmen. Wie sieht es mit der Verknüpfung in der Internen Kommunikation aus? Werden dort ebenfalls Social Media ähnliche Arbeitsweisen angewandt? 

Hallo Andreas, was unsere interne Kommunikation betrifft, so bemühen wir uns, den Wissensaustausch zwischen den Teams an den verschiedenen Standorten voranzutreiben, auch mittels Social-Media-Plattformen. Das geschieht allerdings immer unter der Prämisse, dass wir dem Datenschutz verpflichtet sind. Nicht zuletzt sind wir eine der wenigen führenden Digital Agenturen in Deutschland, die über eine Datenschutzbeauftragte verfügt.

2.) Gibt es intern Vorhaben oder Projekte, welche sich mit der Modernisierung des Intranets und der Kommunikation untereinander beschäftigen?

Als Digitalagentur beschäftigt sich jedes unserer Projekte damit, wie sich menschliche Kommunikation durch den digitalen Wandel verändert und idealerweise verbessert – insbesondere Unternehmenskommunikation. Kommunikation wird derzeit visueller und schneller – mit allen Vor- und Nachteilen. Das sind jedoch generelle Trends, die nicht nur für Intranets gelten. Wie werden sich Intranets zukünftig entwickeln? Das resultiert primär daraus, welche Funktionen ein Intranet zu erfüllen hat, wie sich der Arbeitsalltag verändert und auch wie das Verhältnis von Arbeit und Freizeit definiert wird.

Wenn ein Intranet auch Kollaborationstool mit dem Ziel sein soll, dass möglichst viele Mitarbeiter darin zusammenarbeiten und Informationen austauschen, dann entsteht zwangsläufig die Frage nach der mobilen Verfügbarkeit. Diese wiederum hängt davon ab, ob Mitarbeiter und Betriebsrat überhaupt wollen, dass sie auch mobil mitarbeiten können. Stichwort: Erholungswert von Freizeit/Dauererreichbarkeit. Und nicht zuletzt ergeben sich daraus ganz neue Sicherheitsbedürfnisse. Welches Unternehmen will schon, dass geschäftliche Daten auf privaten Smartphones konsumiert und ggfs. auch gestohlen werden können? Neben diesen generellen Fragen sind auch technische Integrationen auf dem Vormarsch oder zumindest denkbar: Integration von Echtzeit-Daten diverser Standorte, Maschinen, Menschen über Schnittstellen.

3.) Was glaubt Du, wie werden sich Intranets zukünftig entwickeln? Bleibt uns die klassische Top-down Kommunikation erhalten, geht es mehr in Richtung interaktives Intranet oder wird es eine Kombination auch weiterhin geben? 

Das ist nicht leicht zu beantworten und auch mit der berühmt-berüchtigten „Glaskugel“ nicht zu eruieren. Aber es wird auch in Zukunft wichtig für den Erfolg eines Intranets sein, dass die Mitarbeiter den Sinn darin sehen, um es regelmäßig zu nutzen. Auch die verbreiteste Form der Unternehmenskommunikation ist kein Top-Down-Instrument! Eine E-Mail kann ich prinzipiell auch jetzt schon an jeden schicken – auch an den CEO. Daher kann ein E-Mail-Verteiler immer noch ein sehr mächtiges Tool sein und wird auch sicher nicht sofort abgelöst werden. Die neueren Intranets haben aber zusätzliche Features, die sie besonders machen: Sie sind Teil eines generellen Kulturwandels, in dem auch gewünscht wird, auf Augenhöhe zu kommunizieren. Da jeder das gleiche Profil mit Pinnwand hat, kann und soll man auch jedem etwas schreiben.

Das zahlt vor allem auf Employer Branding und eine demokratischere Unternehmenskultur ein. Zudem sorgen die Klarnamen, Businesskontext und Guidelines dafür, dass es weitaus weniger Pöbeleien gibt als im großen Web. Dennoch werden sich auch Intranets an der Performance messen lassen müssen: Wie mit den anderen sozialen Medien besteht auch in Intranets, wo es viele Absender mit teils nur bedingt berufsrelevanten Informationen gibt, die Gefahr, dass sich die Mitarbeiter ablenken lassen. Jeder kennt das von Facebook und Co.: Per Smartphone und Rechner dauereingeloggt und ständig am Lesen und Kommentieren bleiben schnell mal eigene To-Do’s auf der Strecke.

Hier ist es wichtig einzuschreiten, wenn es Mitarbeiter damit übertreiben, und klar darauf hinzuweisen, dass die private Kommunikation im Intranet erst einmal nichts zu suchen hat. Sicher wird man die Einladung zum Sommerfest und Geburtstag noch tolerieren, aber Kinderbilder oder ähnliches sollten eher im privaten Netzwerk gepostet werden. Projekte können einen Boost erhalten, wenn das projektbezogene Austauschen von Projektdaten, einfach zu bedienende PM-Tools und Messaging aus einer Intranet-Hand erfolgen. Zudem sind Schnittstellen, auch zu anderen Systemen und Tools, enorm wichtig.

Das Intranet ist nur so gut wie die schlechteste Schnittstelle zu einem wichtigen Unternehmenstool. Das sollte man berücksichtigen. Gleichzeitig muss darauf geachtet werden, nicht jede Software-Lösung zu stark an eigene Bedürfnisse anzupassen. Nur weil fünf Mitarbeiter einen Button für Funktion X haben wollen, sollte man kein Customizing vornehmen. Je näher man am Standard bleibt, desto leichter fällt ein Umstieg oder Upgrade.

Gerade für international tätige Firmen bieten moderne Intranetlösungen einen entscheidenden Vorteil: Sie fördern Wissenstransfer und lösen gegebenenfalls Wissens-Silos auf. Da sich der Newsstream der Mitarbeiter individuell nach denen mit dem Mitarbeiter verbundenen Seiten und Kollegen richtet, entscheidet sein Netzwerk über die für den Mitarbeiter leicht sichtbaren Informationen und eben nicht mehr die zentrale PR-Stelle für alle Mitarbeiter.

Vielen Dank Johannes für das Gespräch und die spannenden Einblicke in Eure interne Kommunikation!